Olympiafest in Italien – Verkehrschaos in Graubünden
Am 6. Februar starten die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026. Wenn Livigno und Bormio zur olympischen Bühne werden, wird es auch beim Verkehr in Graubünden sportlich. Was ist geplant, um ein Verkehrschaos zu verhindern und wer zahlt?
Zu den Austragungsorten der olympischen Spiele gehören auch Livigno und Bormio. Rund 50 Wettkämpfe finden allein in Livigno statt. Auch ein Olympisches Dorf gibt es hier. Das Problem: die einzige Winterzufahrt nach Livigno von Norden her ist der 3.5 Kilometer lange einspurige und private Strassentunnel Munt la Schera beim Ofenpass. Ein Nadelöhr. Olympia fällt zudem mitten in die Winterferien, wenn Strassen und ÖV bereits stark ausgelastet sind.
Ohne ÖV geht gar nichts
Die GRÜNE Grossrätin Anita Mazzetta wollte schon 2023 von der Bündner Regierung wissen, was geplant wird, um die betroffenen Regionen Engadin und Val Müstair zu entlasten. Doch beim Kanton war Olympia noch kein Thema und Italien schien das auch nicht zu kümmern. Nach monatelanger intensiver Arbeit legt Graubünden nun drei Monate vor dem Anlass ein Verkehrskonzept vor. Und er sagt deutlich: Ohne ÖV geht gar nichts.
Graubünden plant mehr Züge zwischen Landquart – Zernez – Engadin und Park+Ride in Zernez, Val Müstair und vielleicht in Landquart. Die Weiterreise durch den einspurigen Tunnel Munt la Schera ist nur per Shuttlebus möglich, mit einem dichten Takt. Alle dreieinhalb Minuten muss ein Bus fahren, um die Besucher:innen nach Livigno zu bringen. Für den Privatverkehr bleibt der Tunnel gesperrt, für Grenzgänger:innen und akkreditierte Teams gibt es eine Ausnahme. Kostenpunkt für Graubünden: 5.5 Millionen Franken. Für genau 16 Tage. Zum Olympia-Vermächtnis wird das Verkehrskonzept aber leider nicht.
Transparenz? Fehlanzeige!
Graubünden geht davon aus, dass ein Drittel der 12’000 Zuschauer:innen, die an Spitzentagen nach Livigno reisen, über Graubünden anreisen werden. Diese Annahme sei aber nicht überprüfbar. Mit anderen Worten: ein detailliertes Verkehrskonzept scheint es in Italien nicht zu geben. Unklar ist auch, wer die Rechnung für das Verkehrskonzept zahlt. Italien habe 600’000 Euro in Aussicht gestellt. Falls weitere Verhandlungen nichts bringen, will der Kanton die Kosten mit den Bustickets decken.
Milano–Cortina 2026 trat mit dem Versprechen an, «konstengünstige» und «nachhaltige» Spiele zu organisieren. Doch die Kritik vor Ort wächst. Für Strassen, Bergbahnen und Anlagen werden Milliarden investiert – ohne Transparenz, kritisieren Bürger- und Transparenzorganisationen in einem Bericht. Mit der Petition «Open Olympics 2026» fordern sie Antworten auf die Fragen: Was wird gebaut? Warum? Wer zahlt? Die Mailänder Staatsanwaltschaft fordert sogar vom Verfassungsgericht gegen die Vergabeverträge zu ermitteln.
Nach Sotschi, Pyeong Chang und Beijing holte das IOC den olympischen Geist zurück in die Alpen und versprach nachhaltige Spiele und Transparenz. Doch Intransparenz scheint längstens eine olympische Disziplin zu sein.